Hohenlohe-Franken

Hohenlohe - das deutsche "Museumsländle"

Ein Streifzug durch Museen / Kunstschätze und Kulturgeschichtliches liebevoll konserviert / Fachsammlungen von internationalem Rang

Ein Beitrag aus dem Jahre 1974

Von Werner Martin Dienel

Hunderttausende besuchen jedes Jahr das hohenlohesch-fränkische Gebiet an Tauber, Jagst und Kocher. Sie schätzen das Wort Goethes: "Franken ist ein gesegnetes Land!" Ganz gleich, woran der Dichter gedacht haben mag, als er es in seinem "Götz von Berlichingen" niederschrieb, ob an den Reichtum der Land- und Forstwirtschaft, an Handel oder Gewerbe - oder an seine kulturgeschichtlichen Kleinode. Die Touristen und Urlauber, die nach Hohenlohe kommen, gehen auch in die Museen, die das Land aufzuweisen hat. Übrigens, in beträchtlicher Zahl, so daß Hohenlohe durchaus den Ehrennamen (und sicherlich auch im Fremdenverkehr werbewirksamen Titel) "Museumsländle" verdient. Ob Sammler oder Kunstfreund, ob Liebhaber alten Kulturgutes oder Forscher - für jeden bieten unsere Museen etwas. Es gibt wohl kaum ein Gebiet in Deutschland, das seine kulturgeschichtliche Vergangenheit so glücklich konserviert hat und damit eine Geschlossenheit von Landschaft, Bauten und wertvollen Objekten präsentieren kann wie Hohenlohe-Franken. Die Palette unserer Museen weist viele farbige Tupfer auf - es sind Schloß- und Burgmuseen zu nennen, aber auch über reine Fachmuseen verfügt Hohenlohe, nicht zu vergessen die interessanten Stadt- und Heimatmuseen. 

Unser HOHENLOHER - LEBEN - Streifzug durch das Reich unserer Museen mag dem abgeänderten Ausspruch Wilhelm Heinrich Riehls folgen: "Ein Gang durchs Taubertal ist ein Gang  zu sehenswerten Museen!" 

Im Stammland der Fürsten zu Hohenlohe sollen "Schloß und Garten Weikersheim", heute ein Zweigmuseum des Württembergischen Landesmuseums, erstes Ziel sein. Hier finden wir in einer völlig intakten Schloß- und Gartenanlage eine vollständig erhaltene Innenausstattung, die in ihrer Aufstellung dem ursprünglichen Zustand entspricht. Zu der mittelalterlichen Wasserburg, von der noch Bergfried und Nordflügel stammen, kamen im 16. und 17. Jahrhundert Neubauten, deren Inneneinrichtungen besichtigt werden können.

Berühmt ist der prächtige Rittersaal mit seiner Kassettendecke von Elias Gunzenhäuser und den gemalten Deckenfeldern von Balthasar Katzenberger, der nicht ohne Humor die Jagdmotive gestaltete. Farbige Stuckarbeiten und ein Prachtkamin von Michael Junker gehören genauso dazu wie die gleichfalls mit Stuckzier versehenen Grafenzimmer. Der Hofschreiner Vogt von Öhringen lieferte den Entwurf für das Spiegelkabinett. Der Wessobrunner Stukkateur Walser richtete das Rokoko-Appartement des Fürsten Ludwig Friedrich Karl ein. Der Besucher findet eine Fülle von Einzelstücken vor, Porzellan- und Fayence-Sammlungen ebenso wie niederländische Wirkteppiche, eingelegte Möbel (und Fußböden), Ahnen- und Familienbilder bekannter Porträtisten, nicht zu vergessen das Paradebett, das der Künzelsauer Eberhard Sommer schuf. 

Mag dieses Schloßmuseum, das seit 1948 zugänglich ist, heute auch dem württembergischen Staat gehören, so bleibt doch unauslöschlich mit der Betreuung des Museums der Name des langjährigen Museumsleiters Constantin Prinz zu Hohenlohe-Langenburg verbunden. Daß sich hier zudem Schloß und Garten glücklich in die Landschaft des Taubertales einfügen, erfreut viele Besucher besonders. Kurse und Konzerte der Musikalischen Jugend Deutschlands beleben im Sommer Schloß und Stadt (vgl. HL Nr. 8/ 1973).

Bietet Schloß Weikersheim das museale Bild einer standesherrschaftlichen Kultur- und Lebensweise, so hat das neue Tauberländer Dorfmuseum in Weikersheim gleichsam den Gegenpol aufgegriffen. Im alten, aus dem 16. Jahrhundert stammenden Kornbau am Marktplatz hat hier der Verein der Freunde des Tauberländer Dorfmuseums, allen voran Kurt Meider als Museumsleiter, eine reichhaltige Sammlung fränkischer Dorfkultur zusammengetragen und ausgestellt. Mag auch der Ausbau noch nicht beendet sein, so können doch schon jetzt Darstellungen der Hofformen und Dorfbilder, die Wohnkultur und vor allem die Trachtenvielfalt des Gebietes bewundert werden. (Eine ausführliche Darstellung siehe HL Nr. 2/1974.) 

Der Tauber abwärts folgend, erreichen wir Bad Mergentheim, wo in den letzten Jahren die schon 1864 als städtische Altertumssammlung angelegte, 1934 als Bezirksheimatmuseum eröffneten Museumsgüter eine völlige Neugestaltung und Aufstellung erfahren haben. Was Major Karl Joseph Freiherr von Adelsheim zu Beginn des 19. Jahrhunderts zusammengestellt, Oberpostmeister Karl Fleck dann ergänzt hat, konnte nun Museumspfleger Dr. Fritz Ulshöfer in den renovierten Gebäuden des ehemaligen Residenzschlosses der Hoch- und Deutschmeister nach zeitgemäßen Gesichtspunkten ausstellen. 

Der Name "Deutschordensmuseum" weist auf den Schwerpunkt hin, und so sind von den bis jetzt 21 fertiggestellten Räumen die meisten der Deutschordensgeschichte, ihren bedeutenden Vertretern und wichtigen Dokumente gewidmet. Aber auch zur Mergentheimer Stadt- und Heilbadgeschichte findet der Besucher interessante Details, ebenso Erinnerungsstücke an Mörike. Neu integriert wurde eine Sammlung historischer Puppenstuben aus der Zeit des Biedermeier bis zum Jugendstil (vgl. HL Nr. 12,1973).

Die Aufstellung der Vor- und Frühgeschichtssammlung wird vorbereitet. Einen festen Teil des Museumsprogramms bilden jedoch schon die Museumskonzerte wie die Vortragsreihen zur Geschichte und Kultur Frankens. 

Nur wenige Kilometer von Bad Mergentheim entfernt, Richtung Süden, finden wir in Hachtel ein Museum, das als Gedenkstätte für den Erfinder der Linotype, Ottmar Mergenthaler, im Rathaus eingerichtet ist. Dieses Museum ist von besonderer Art, da hier eine lebendige Lehrschau aufgebaut wurde, die Themen aus dem Bereich des Druckgewerbes zeigt. (Im HOHENLOHER LEBEN wurde in der Ausgabe Nr. 2/1970 ausführlich über Mergenthaler und Hachtel berichtet.)

Wenn auch nicht als Museum anzusehen, so gehört hier doch Stuppach genannt, das in einer Seitenkapelle der Kirche Mathis Grünewalds "Madonna im Grünen" aufweist. In diesem Zusammenhang sei auf den anderen Ort verwiesen, wo ein Kleinod fränkischer Kunst aufbewahrt wird. Tauberaufwärts, im Tal des Herrgottsbaches, gleicht die Herrgottskirche einem Museum, das eines der großen Werke des Würzburger Meisters Tilman Riemenschneider beherbergt: den Marienaltar. 

Von Creglingen aus lohnt die Fahrt nach Frauental, wo der Laienkirche des einstigen Zisterzienserinnenklosters ein Besuch abgestattet werden sollte, ehe als nächstes Ziel Waldmannshofen angesteuert wird. In dem typisch fränkischen Bauerndorf hat das einstige Wasserschloß der Fürsten von Hatzfeld eine neue Bestimmung erhalten. Der Kreisfeuerwehrverband Mergentheim hat, zusammen mit der Gemeinde Waldmannshofen, in den Räumen des Schlosses ein Feuerwehrmuseum eingerichtet, in dem alte, ausgediente Geräte und Gegenstände der Feuerwehren präsentiert werden. Fahr- und tragbare Handdruckspritzen sind zu sehen, aber auch Strahlrohre, Leitern, Einreißgeräte, Laternen, Helme und Signalhörner. Betreut von Kreisbaumeister Alfred Gauckler, gehört dieses Museum zu den größten Spezialmuseen für Feuerwehrgeräte in Baden-Württemberg. 

Das badische Frankenland weist an der Tauber drei Museen auf, die einen Besuch wert sind.  Das Heimatmuseum in Lauda, das Stadtarchivar Schreck betreut, hat seinen Platz im Geburtshaus des Reformators der Landwirtschaft Frankens, Dr. Philipp Adam Ulrich, Dokumente zum Wein- und Ackerbau im Taubertal fanden hier eine Heimstatt. In Tauberbischofsheim bietet das kurmainzische Schloß, ein Gebäudekomplex aus dem 14. und 15. Jahrhundert, dem Landschaftsmuseum die entsprechenden Räumlichkeiten. In 12 Räumen wird bürgerliche und bäuerliche Wohnkultur gezeigt, vier Räume sind mit Sammlungen zur Vorgeschichte des unteren Taubertales gefüllt. Aber auch Kleinode kirchlicher Kunst, eine Richard-Trunk-Gedächtnisstube - und demnächst eine Sammlung land- wirtschaftlicher Geräte - können hier besichtigt werden. In der gotischen Diele finden Konzerte statt. Amtsgerichtsdirektor i. R. Dr. Chrestin betreut im Auftrag des Vereins der Tauberfränkischen Heimatfreunde das Museum. 

An der Taubermündung, in Wertheim, finden wir das Heimatmuseum in der Ende des 15. Jahrhunderts erbauten Kilianskapelle. Völlig unzureichend ist hier die Aufstellung der vorhandenen Sammlungsstücke, wenn auch der Kapellenraum, die Krypta und zwei Dachräume zur Verfügung stehen. Aus der vor fast einem Jahrhundert gegründeten "Städtischen Altertumshalle" hervorgegangen, hat das Heimatmuseum noch einen reichen Bestand magaziniert. Die Stadt bemüht sich, das Gebäude der ehemaligen fürstlichen Hofhaltung für das Museum bereitzustellen. Als "Historisches Museum für die Stadt und Grafschaft Wertheim" wird es in den nächsten Jahren neben dem separaten "Wertheimer Glasmuseum", das im Aufbau ist, sicherlich einen zusätzlichen Anziehungspunkt bilden. Vorerst kann der Historische Verein in dem von Stadtarchivar Erich Langguth betreuten Museum vor allem sakrale Kunst, Zunftaltertümer sowie Volkskunst zeigen. (Nachtrag 2002: Das Wertheimer Glasmuseum e. V. mit Großem Haus und Kleinem Haus - inzwischen längst fertiggestellt - vermittelt den Besuchern die Vielfalt des Werkstoffes Glas. Auch das "GrafschaftsMuseum" hat mit dem Otto-Modersohn-Kabinett seit 1989 einen ständigen Platz im Alten Rathaus gefunden.)

Durch den Odenwald ins Jagsttal 

Auf der Rückfahrt aus dem Taubertal gilt ein Abstecher Walldürn, wo es außer einem Heimatmuseum eine 1954 gestiftete Elfenbeinsammlung zu bestaunen gibt. Oscar Stalf, Fabrikant und Ehrenbürger Walldürns, überließ dem katholischen Pfarramt seine reichhaltige Sammlung, die neben Dioramen und Altarbildern auch eine Vielzahl von Einzelstücken in Glasvitrinen aufweist.

Jagsttalaufwärts fahrend, gilt der erste Museumsbesuch Jagsthausen, wo in der 500 Jahre alten Götzenburg das Schloßmuseum vom Freiherrn Hans von Berlichingen betreut wird. Wenn wir hier auch nur einen Raum besichtigen können, so beherbergt er doch erstaunliche Stücke: neben einer Waffensammlung und Funden aus der Römerzeit (Limes und Kastell) vor allem natürlich die berühmten Stücke des Ritters Götz von Berlichingen, die eiserne Hand - in drei Exemplaren ist sie zu sehen. Die Grabstätte des berühmten Ritters, das Kloster Schöntal, bietet neben der Klosterkirche die Neue Abtei und den Kreuzgang für den Besucher an. Die im 18. Jahrhunhundert erbauten Gebäude des Klosters besitzen wertvolle Kunstgegenstände, erwähnt seien die Alabasteraltäre von Michael Kern und die Altarbilder von Oswald Onghers, einem Schüler Rubens. Luca Antonio Colombo schuf die Deckengemälde. Ein Rundgang durch die Neue Abtei führt durch das entzückende Treppenhaus mit dem handgeschmiedeten Rokokogittertor in den Ordenssaal, in das Jagdzimmer mit Jagdszenen und in das Abtszimmer. 

Vom Jagsttal aus sollte man den Abstecher nach Aschhausen wagen. Hier hat der im Vorjahr verstorbene Dr. Friedrich Hermann Graf von Zeppelin-Aschhausen das "Gräflich von Zeppelinsche Schloßmuseum" geschaffen. Alte Burgreste und ein mächtiger Bergfried erinnern an die Stauferzeit. In den Räumen des Barockschlosses von 1730 haben die antiken Möbel aus verschiedenen Epochen ihre Aufstellung gefunden. Präparierte einheimische Tiere, Fayencen und Erinnerungsstücke an die Familie von Zeppelin bilden die sehenswerten Schätze des Museums. 

Über dem Jagsttal erwartet uns Langenburg. Der ehemalige Marstall hat seit 1970 einen neuen Verwendungszweck gefunden, er beherbergt das Deutsche Automuseum Schloß Langenburg. Nicht nur den Renn- und Motorsportfan begeistern hier die ausgestellten Autoveteranen, Rennwagen und Anschauungstafeln. Bekannte Namen klingen auf: Benz 1893, Horch, Maybach, Rolls-Royce und Porsche 1917. 

Doch wird in Langenburg nicht nur jüngste Vergangenheit präsentiert, auch die Historie kann hier studiert werden. Bildet schon allein das Schloß Langenburg mit seinem einzigartigen Innenhof aus der Renaissance ein beachtliches Bauwerk fränkischer Kunst, so wird dem Besucher in den Innenräumen zusätzlich ein Stück alter Wohnkultur geboten. Der Schloßbrand 1962 ging fast spurlos an den Museumsräumen vorüber. Der prachtvolle Barocksaal mit seinen kostbaren Schränken, der bretterne Gang mit der Waffensammlung oder die Erinnerungsräume an kaiserliche Verwandte bilden die Anziehungspunkte dieses Museums. Wie Kraft Fürst zu Hohenlohe-Langenburg (und seine kunstverständige Gemahlin), so hat auch Fürst Ferdinand zu Hohenlohe- Bartenstein sein Schloß der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Ein Besuch des Militärmuseums Schloß. Bartenstein empfiehlt sich nicht nur den militärisch Interessierten. Gewiß, über 10 000 Einzelstücke zählt die Sammlung, die in 15 Räumen untergebracht ist. Vollfiguren in drei Szenen gehören dazu, aber auch viele bemerkenswerte Stücke aus der hohenloheschen Militärgeschichte. Die Möglichkeit zur Besichtigung der barocken Repräsentationsräume des Schlosses hebt jedoch das Museum über das reine Fachmuseum hinaus.

Im Städtchen Kirchberg an der Jagst hat das seit über vierzig Jahren bestehende Sandelsche Museum im Vorjahr eine neue Aufstellung in der alten Lateinschule erfahren. Was Kriegsgerichtsrat Theodor Sandel zusammengetragen hatte, was neu erworben werden konnte, hat nun einen dem Wert der Sammlung entsprechenden Rahmen gefunden. Eine Apothekenstube wurde als Gedächtnisraum für den Stifter eingerichtet. Viele Einzelstücke zur Geschichte der Stadt, des Fürstenhauses Hohenlohe-Kirchberg, der Freiherren von Crailsheim zu Hornberg, aber auch der Kirchberger Handwerker, Bürger und Bauern gibt es zu besichtigen. Wechselnde Kunstausstellungen bieten zudem Einblick in das Schaffen Hohenloher Künstler.

Für Besucher des Alten- und Pflegeheimes im Schloß empfiehlt sich ein Rundgang durch die zwei Räume des neuen Schloßmuseums, das an die Vergangenheit des Hauses Hohenlohe erinnert.

Die Große Kreisstadt Crailsheim kann mit einem Museum aufwarten, das den Ausbau zum großartigen, reinen Fachmuseum, zum "Crailsheimer Fayencenmuseum" verdient. Als Fränkisch-Hohenlohesches Heimatmuseum wurde es 1922 von Dekan F. Hummel und Stadtschultheiß F. Fröhlich gegründet. Seit langem betreut es Heimatpfleger Wilhelm Frank, der auch für die Neuaufstellung in der Spitalkapelle und im Spital sorgte. Sammlungsgut zur Stadtgeschichte, kirchliche Altertümer, Trachten, Zinngeräte und Hafnerware gehören zum Bestand. Doch was dieses Museum aus der Reihe der hohenloheschen heraushebt, das ist seine umfangreiche Sammlung Crailsheimer Fayencen (vgl. HL, Nr. 2, 1970). 

Im Kochertal entlang 

Zu den ältesten Museen des Landes gehört des Keckenburgmuseum in Schwäbisch Hall. Hervorgegangen aus den früheren Sammlungen des Historischen Vereins, heute in einer Stadtadelsburg des 13. Jahrhunderts untergebracht, in den letzten Jahren durch weitere Räume im Rektoratsgebäude erweitert, gewährt dieses Museum einen umfassenden Einblick in Kultur und Geschichte des hohenlohesch-fränkischen Raumes. Besonders lehrreich ist die umfangreiche vor- und frühgeschichtliche Sammlung mit Funden aus der Stein- und Keltenzeit. 

Neben Dokumenten zur Regionalgeschichte bietet die Keckenburg großartige Sammlungen zur Geschichte der Stadt Schwäbisch Hall, genannt seien nur die Bildnisse Haller Persönlichkeiten, die Arbeiten Haller Maler wie Schreyer und Braun, die bemalte Wandverkleidung einer Synagoge aus dem 18. Jahrhundert, die Schießscheiben und originale Stücke vom Haller Siederswesen. Der Ausbau dieses Museums ist eng verknüpft mit den Namen der Vorsitzenden des Vereins; Dr. Kost, Dr. Dürr und jetzt Dr. Breit verdienen erwähnt zu werden. Kustos Rapaschinski ist seit Jahren bewährter Führer durch das Museum. 

Die Möglichkeiten zum Aufbau eines Museumsecks in Schwäbisch Hall sind gegeben, die Stadtmühle bietet sich an. Ob jedoch die finanziellen Mittel eines Tages aufgebracht werden können, steht völlig offen. Vorerst hat das Hohenloher Bauernmuseum, dessen Träger der Verein Alt-Hall und der Historische Verein für Württembergisch Franken sind, dessen Leiter Bürgermeister Erich Specht ist, eine Bleibe in einem Bauernhaus des 19. Jahrhunderts in Schönenberg gefunden. 

Das Sammelgut, hohenlohesche Volkskunst, Gerätschaften, Arbeitsmaschinen, Fahrnis aus dem bäuerlichen Bereich und nicht zuletzt die berühmten Bauernschränke aus Untermünkheim, entspricht dem gesamten Lebensbereich der Bauern Hohenlohes. Bewundernswert, was hier innerhalb kurzer Zeit zusammengetragen wurde und eine sinnvolle Darstellung erfahren hat. 

Von Schwäbisch Hall aus bietet sich ein Abstecher an nach Mainhardt, wo das von Horst Clauss geleitete Heimatmuseum der Stadt vorwiegend römische Funde aus dem Gebiet des Ortes und des Kastells Mainhardt besitzt. Kocherabwärts jedoch erreichen wir Künzelsau. Hier betreut Stadtarchivar Jürgen Rauser das Heimatmuseum der Stadt. Es hat seinen Sitz im Regerschen Haus in der Lindenstraße. Auch hier sind in erster Linie volkskundliche Gegenstände, bäuerlich-bürgerliches Gebrauchsgut und Geräte zu sehen. Das seit 1929 bestehende Museum verfügt über zehn Räume. Gleichfalls unter J. Rauser erfährt das Heimatmuseum der Stadt Forchtenberg eine Neuaufstellung im Würzburger Tor. In drei Räumen sind das Archiv sowie eine Sammlung von Handwerksgeräten und alten Bauernrnöbeln untergebracht. Als Besonderheit ist eine Sammlung anzusehen, die der in Forchtenberg gebürtigen Künstlerfamilie Kern gewidmet ist. Das Museum soll im Juli 1974 im Rahmen des Heimat- und Sängerfestes eröffnet werden. 

In die gleiche Kategorie der Heimatmuseen gehört das von privater Hand geschaffene Ortsmuseum in Ernsbach, das ein ausgeprägtes Lokalkolorit besitzt. 

Ins Gäu- und Waldland 

Das Hohenloher Gäu- und Waldland bietet dem Besucher drei Perlen aus der Reihe der Museen. Allen voran verdient das Hohenlohe-Museum im Schloß Neuenstein einen Baedekerstern. Die Wasserburg des 11. Jahrhunderts hat in der Renaissance um 1550 einen ersten Umbau erfahren. Anfang des 20. Jahrhunderts wurde sie durchgehend renoviert und teilweise erneuert. Wie in Weikersheim, so sorgte Constantin Prinz zu Hohenlohe-Langenburg auch in Neuenstein für den Ausbau des Schlosses zum Museum. In prächtigen Innenräumen wird ein hervorragender Überblick über die Kunst, das handwerkliche Schaffen und die Geschichte Hohenlohe-Frankens geboten. Der gotische Kaisersaal ist mit einer prächtigen Waffensammlung ausgestattet. Im gotischen Kreuzgewölbe findet man sakrale Kunst und gotische Holzplastiken, Den großen Rittersaal schmückt eine Gemälde-Kassettendecke, die aus dem Rittersaal des Schlosses Kirchberg stammt, wie überhaupt die meisten auserlesenen Möbelstücke, Kunstgegenstände, Bücherei und Gemälde aus dem Bestand des Kirchberger Schlosses hierher verbracht wurden. So auch die interessante Kunst und Raritätenkammer, die einst Graf Joachim Albrecht anzulegen begann. Besondere Aufmerksamkeit verdienen die Schale von Breda und der Goldene Hirsch von Hermersberg. Einen Einblick in das mittelalterliche Küchenwesen erlaubt die rustikale Schloßküche, die von Zeit zu Zeit ihrer ursprünglichen Bestimmung dient. (Vgl. HI. Nr. 2, 1970.)

"Siegel aus tausend Jahren" nennt sich das Museum, das unter Leitung des Erbprinzen zu Hohenlohe-Waldenburg im Schloß Waldenburg entstanden ist. Fürst Friedrich Karl zu Hohenlohe-Waldenburg hat durch seine Sammler- und Forschungstätigkeit im vorigen Jahrhundert den Grundstock gelegt. Siegel und Münzen zur württembergisch-fränkischen Landesgeschichte bieten nicht nur dem Historiker viel Wissenswertes. Zinnfiguren-Dioramen sowie eine umlaufende Projektion ergänzen diese historische Fachschau. (Vgl. HL Nr. l, 1973.) 

Als Fachmuseum kann auch das Weygang-Museum in Öhringen angesehen werden. Zinngießermeister August Weygang, der 1946 verstarb, war der Gründer des heute aus 15 Räumen bestehenden Museums. Hier findet der Besucher wahrhaftig alles, was mit der Herstellung und der Kunst des Zinngießens zu tun hat, eine Werkstatt mit Schmelzöfen und Handwerkszeug ebenso wie reiche Sammlungen an Gebrauchszinn oder Zinnfiguren. Dem Stifter des Museum ist ein eigenes Zimmer zum Gedächtnis eingerichtet. Auch Fayencen und Dokumente zur Stadtgeschichte gehören zu den Sammlungen. Dr. Th. Bauer versieht als Museumspfleger die Leitung des Museums, das in einem aus dem 18. Jahrhundert stammenden Gebäude in der Karlsvorstadt untergebracht ist. 

Auch in Randgebieten - viele Museen 

Unser gedanklicher Streifzug durch die Museumswelt Hohenlohe-Frankens muß, wenn auch nur summarisch, die Museen der Randgebiete mit erfassen. Der Anspruch, ein "Museumsländle" zu sein, wird dadurch nur noch erhärtet. 

Weinsberg hat im Justinus-Kerner-Haus eine Gedenkstätte für den Dichter Justinus Kerner eingerichtet. Im ehemaligen Fleischhaus in Heilbronn stehen dem Historischen Museum der Stadt Heilbronn drei Ausstellungsräume zur Verfügung. Nur ein Teil der Sammlungen kann deshalb ausgestellt werden, so ein Bestand zur Vor- und Frühgeschichte, Schiffsmodelle und Dokumente zur Neckarschiffahrt. Die Sammlungen zur Volkskunde und zum Weinbau sind noch immer magaziniert. 

Glücklicher dran ist das Deutsche Zweirad-Museum in Neckarsulm, das einzige Museum in Deutschland, in dem die Fahrrad- und Motorradentwicklung vollständig dargestellt ist. In drei Stockwerken ist hier die Sammlung im ehemaligen Deutschordensschloß untergebracht. 

Das vom Verein Alt-Wimpfen getragene Steinhausmuseum in Bad Wimpfen weist neben einem Pfalzmodell, Waffen und Hausgeräten als Besonderheit eine Schneiderhölle auf. 

Eine eindrucksvolle Museumsfahrt läßt sich auch entlang der Romantischen Straße durchführen. Steht Rothenburg ob der Tauber am Beginn, so bieten sich dort das große Reichsstadtmuseum, das mittelalterliche Kriminalmuseum, kurz Folterkammer genannt, und das Historiengewölbe an, außer der Sankt-Jakobs-Kirche mit dem Riemenschneideraltar und der Sankt-Wolfgangs-Kirche versteht sich.
(Zu den jüngeren Einrichtungen gehören das Puppen- und Spielzeugmuseum Katharina Engels und das Deutsche Weihnachtsmuseum.)

Schloß Schillingsfürst, den anderen hohenloheschen Residenzen vollkommen ebenbürtig in Bauwerk, Bestand und Ausstattung, bedarf zwar derzeit äußerer Renovierung, doch lassen die sehenswerten Repräsentationsräume noch immer viel vom einstigen Glanz des Fürstenhauses erkennen. 

Was an Fülle, an überaus reichem Bestand die Museen in Feuchtwangen, Dinkelsbühl und Nördlingen zu bieten haben, läßt sich nicht mit wenigen Sätzen abtun. Diesen Museen gebühren - ebenso wie den anderen hohenloheschen Schloß-, Fach- oder Heimatmuseen - eigene Darstellungen. 

Mit diesem Überblick sollte der Eindruck verstärkt werden, den der im HOHENLOHER LEBEN ausgeschriebene Wettbewerb mit seinen farbigen Bildern hervorzurufen imstande war. Unsere Museen haben kein Dornröschendasein verdient. Die zunehmenden Besucherzahlen beweisen, wie stark die Fremden den Wert der Museen als Bildungsstätten erkennen. Daß aber auch die Einheimischen immer engere Verbindungen zu ihrem Museum knüpfen, lassen die Stiftungen, Leihgaben oder Spenden erkennen, die den einheimischen Sammlungen zugute kommen.

Quelle:
HOHENLOHER LEBEN; Nr. 6 / 1974

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